Bessere Konzentration durch Stehpulte

Nie wieder stillsitzen. Im Hamm in der Falkschule müssen Kinder nicht mehr sitzen bleiben. Denn das Lehrerkollegium der Ganztags-Hauptschule war sich einig, dass die geistige Fitness leidet, wenn Schüler bis zu acht Stunden sitzen müssen. Darum gibt es jetzt in jedem Klassenzimmer "Plätze der Bewegung".

Für jede Klasse wurden drei Stehpulte angeschafft: große graue Tische, die eine große Ablage für Hefte haben. Unter den Tischen liegen rote Matten. Diese regen die Fußzonen an, erklärt Elke Kuhlmann, Englischlehrerin. Alle 15 Minuten darf jemand anderes an das Pult gehen. Glücklicherweise sind die Pulte höhenverstellbar, denn natürlich sind nicht alle Schüler gleich groß.

Obwohl anfangs viele Schüler skeptisch waren, sind sie jetzt begeistert von ihren Stehpulten. Es sei ruhiger geworden in der Klasse,sagen sie, und wenn der Nachbar nerve, könne man einfach weggehen. Auch die Müdigkeit lasse nach, wenn man sich hinstelle und Abschreiben sei an den Pulten unmöglich. Manchmal würden allerdings die Stinkefüße anderer Schüler nerven, wenn diese sich barfuß auf die Matten stellten. Elke Kuhlmann sieht das mit Humor: So sorge das Stehpult noch dafür, dass sich die Schüler öfter die Füße wüschen.

Möglich gemacht hatte die Stehpulte eine großzügige Spende im vergangenen Jahr. Daraufhin hatte eine junge Lehrerin die Idee, weil sie über eine Schule in Wiesbaden gelesen hatte, die bereits 2007 als erste deutsche Schule Stehpulte angeschafft hatte. Da die Scule schon seit Jahren bemüht sei, einen bewegten Schulalltag für die Kinder zu schaffen, passte die Idee ins Gesamtkonzept und wurde umgesetzt. Außerdem wurden Wackelkissen und Sitzbälle ausprobiert und Diktate im Laufen geschrieben. Auf dem Schulhof gibt es einen Hochseilgarten, auf dem die Kinder in den Pausen klettern können.

In die 30 Pulte wurden 10.000 Euro investiert. Ein normaler Arbeitsplatz für Schüler kostet rund 120 Euro, damit sind die Pulte fast doppelt so teuer. Trotzdem sollen mehr Schulen von dem Projekt erfahren. Arbeitsmediziner empfehlen für einen Menschen an einem durchschnittlichen Arbeitstag 50 Prozent Sitzen, 25 Prozent Stehen und 25 Gehen. Die meisten Schüler sitzen aber zwischen 80 und 90 Prozent der Schulzeit.

Der Mensch sei eben nicht zum Sitzen gemacht, erläutert Ralf Laging vom Institut für Sportwissenschaften an der Universität Marburg. "Ohne einen bewegten Unterricht kann man das Konzapt der Ganztagsschule vergessen." Zurzeit befasst er sich in einer Studie mit den zusätzlichen Anforderungen der Ganztagsschule für Körper und Kopf der Schüler. Fünf Minuten gerades Sitzen seien richtig schwere Haltearbeit für die Muskulatur, das könnten die Kinder nicht eine Schulstunde durchhalten, geschweige denn einen Acht-Stunden-Tag. Die Folge dessen sind sogenannte Entlastungshaltungen: Kippeln, mit dem Oberkörper auf den Tisch legen oder auf dem Stuhl hin- und herrutschen.

Natürlich führe das zu Unruhe im Klassenzimmer. Studien hätten gezeigt, dass auch die Konzentrationsfähigkeit durch den Bewegungsmangel abnehme. Wenn Schulen etwas dagegen täten, hätten sie auch selbst etwas davon, findet Laging. Durch Stehpulte werde der Unterricht ruhiger und die Schüler aufmerksamer. Trotzdem erwarte er keine Notenwunder. Denn bei Lücken im Lernstoff hilft eben nur Lernen, finden wir.

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