Saarbrücken - In einer wissenschaftlichen Studie ist die Landeselternvertretung (LEV) Gymnasien zu dem Ergebnis gekommen, dass Schüler, die in einem achtjährigen Gymnasium (G8) lernen, durchschnittlich mehr Nachhilfeunterricht benötigen, mehr Zeit für Hausaufgaben aufwenden und eher unter gesundheitlichen Beschwerden leiden als ihre Mitschüler in G9-Schulen. Als Konsequenz daraus forderte nun LEV-Chef Hoachim Klesen, die Relationen zwischen Schülern und Lehrern zu verbessern und mehr Ganztagsunterricht anzubieten. Die Befragung wurde unter den 1720 Schülern des Doppeljahrganges G8/G9 durchgeführt, von denen 755 Schüler aus G8 und 965 aus G9 teinahmen. Die erzielte Rücklaufquote lag bei mehr als einem Viertel des Gesamtjahrganges im Saarland, teilt Jürgen Müller-Ney, Autor der Studie und Sozialwissenschaftler, mit.
Laut Befragung nehmen von den G8-Schülern 22,3 Prozent Nachhilfe in Anspruch, bei den G9-Schülern sind es nur 13,7 Prozent. Zudem gaben mehr G8-Schüler an, dass sie das Abitur ohne Nachhilfeunterricht nicht schaffen könnten. Alle G8-Schüler empfanden die Leistungsanforderungen in der Oberstufe und die Arbeitsanforderungen durch Hausaufgaben und Lernen als stärkere Belastung. In der Schule fühlten sie sich sogar öfter überlastet. Das zeigte sich auch in einer höheren Quote an gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen.
Geradezu "erschreckend hoch" sei der Bedarf an Nachhilfe in Mathematik, so der LEV. Darum fordert Klesen, Struktur und Lernformen des Mathematik-Unterrichtes auf den Prüfstand zu stellen. Den Einwand des Kultusministeriums auf die Tatsache, dass die Schüler beider Schulformen in etwa gleiche Notendurchschnitte hätten, bezeichnet Klesen "eindimensional", da der Aufwand für diese Noten im G8-System wesentlich höher sei. Außerdem sprach sich der Leiter des LEV für mehr Gruppen- und Teamarbeit aus. Vor allem sei es notwendig, mehr Freiraum für die Wiederholung und Vertiefung des Stoffes zu schaffen.
Das Kultusministerium verwies seinerseits darauf, dass einige Forderungen der Eltern bereits umgesetzt werden. So fände bereits eine laufende Untersuchung der Lehrpläne statt, es sei eine "Kleine-Klassen-Garantie eingeführt und die Möglichkeit der Bildung von Ganztagsklassen im Rahmen der Freiwilligen Ganztagsschule plus eingeräumt worden. Die LEV wies darauf hin, dass die Befragung lediglich die G8-Schüler erfasse, die bis zum Ende der Oberstufe gekommen seien. Diejenigen, die vorher aufgegeben oder die Klassen wiederholen mussten, seien nicht Teil der Studie gewesen.